Ein Vorratslager ist ein Lager, in dem Unternehmen Waren auf Vorrat halten, um die Versorgung über einen bestimmten Zeitraum sicherzustellen. Anstatt die Waren nur „durchzuschleusen“, werden sie gezielt vorgehalten, zum Beispiel Rohstoffe, Verpackungen oder Handelsware. Das Ziel besteht darin, die Lieferfähigkeit zu sichern, Schwankungen abzufedern und im Alltag planbarer zu arbeiten.
Unternehmen nutzen Vorratslager, um:
Produktionsstillstände zu vermeiden
Preisvorteile durch Großeinkauf zu sichern
saisonale Nachfrage abzudecken
Lieferfähigkeit und Kundenzufriedenheit zu erhöhen
Damit ist das Vorratslager eine der wichtigsten Lagerhaltung Arten in der Logistik.
Das Wichtigste im Kürze
Ein Vorratslager dient dazu, Waren langfristiger vorzuhalten, um Engpässe zu vermeiden.
Vorteile: hohe Verfügbarkeit, bessere Planbarkeit, Schutz vor Lieferstörungen.
Nachteile: Kapitalbindung, Lagerkosten, Risiko von Verderb/Veralterung.
In der Logistik gibt es verschiedene Lagerhaltung Arten – das Vorratslager ist eine davon.
Wer sich fragt, welche Lagerarten es gibt, sollte Lagerarten nach Zweck, Umschlag und Lagerdauer unterscheiden.
Lagerarten Definition: Was ist eine Lagerart in der Logistik?
Die Lagerarten Definition ist einfach: Eine Lagerart beschreibt, welchen Zweck ein Lager im Material- und Warenfluss erfüllt – also warum gelagert wird (z. B. Vorrat, Puffer, Umschlag) und wie das Lager in Prozesse wie Einkauf, Produktion und Versand eingebunden ist.
Wichtig ist die Abgrenzung:
Lagerart: Zweck/Funktion des Lagers im Prozess (z. B. Vorratslager, Umschlagslager).
Lagerstrategie: Grundsatzentscheidung, wie Bestände geführt werden (z. B. „auf Vorrat“ vs. „Just-in-time“, Sicherheitsbestände, Servicelevel-Ziele).
Lagersystem: Technische/organisatorische Ausgestaltung, wie gelagert wird (z. B. Blocklager, Palettenregal, Hochregal, manuell/automatisiert).
Welche Lagerarten gibt es? Übersicht nach Funktion
In der Logistik unterscheidet man verschiedene Lagerarten, je nachdem welche Aufgabe das Lager im Materialfluss erfüllt. Die wichtigsten Lagerarten sind:

Vergleichstabelle: Lagerarten auf einen Blick
Lagerart | Zweck | typische Lagerdauer | Beispiel |
Vorratslager | Versorgung sichern, Bestand aufbauen | Wochen bis Monate | Saisonware für Peak-Zeiten |
Beschaffungslager | Materialverfügbarkeit sicherstellen | Tage bis Monate | Rohstoffe bei langer Lieferzeit |
Zwischenlager / Pufferlager | Prozesse entkoppeln, Störungen abfangen | Stunden bis Tage | Puffer zwischen Wareneingang & Produktion |
Distributionslager | schnelle Belieferung, Nähe zum Markt | Tage bis Wochen | Regionallager für Endkundenversand |
Umschlagslager | schneller Durchlauf, Weitertransport | Stunden bis 1–2 Tage | Cross-Docking im Transportnetz |
Kommissionierlager | Aufträge effizient zusammenstellen | Tage bis Wochen | Kleinteilelager für E-Commerce |
Produktionslager | Produktion kontinuierlich versorgen | Stunden bis Wochen | Materiallager am Fertigungsstandort |
Konsignationslager | Verfügbarkeit ohne Kapitalbindung beim Abnehmer | Wochen bis Monate | Ersatzteile beim Kunden vor Ort |
Gefahrstofflager | sichere Lagerung von Gefahrstoffen | abhängig vom Bedarf | Chemische Produkte/Lacke |
Kühllager | Qualität sichern durch Temperaturführung | Tage bis Wochen | Lebensmittel/Pharma |
Automatisierte Lager | hohe Effizienz, Platzdichte, Prozesssicherheit | variabel | Shuttle-/AutoStore-Systeme |
Vorratslager – Definition & typische Einsatzbereiche
Ein Vorratslager ist ein Lager, in dem Unternehmen Waren, Rohstoffe oder Produkte gezielt auf Vorrat einlagern, um jederzeit lieferfähig zu bleiben und Schwankungen im Markt auszugleichen.
Vorratslager gehören zu den wichtigsten Lagerhaltung Arten, weil sie Unternehmen unabhängig machen und die Versorgungssicherheit erhöhen.
Kurz gesagt: Nicht Tempo, sondern Verfügbarkeit ist hier die wichtigste Aufgabe.
Typische Einsatzfälle für ein Vorratslager
1) Saisonale Nachfrage
Wenn bestimmte Produkte in wenigen Wochen extrem stark nachgefragt werden (z. B. Aktionen, saisonale Artikel), schafft ein Vorratslager die notwendige Verfügbarkeit – ohne dass Produktion oder Einkauf kurzfristig überlastet werden.
2) Lange Beschaffungszeiten
Bei Importen, Spezialteilen oder langen Produktionsvorläufen (Lead Times) kann ein Vorratslager Versorgungslücken verhindern. Das ist besonders wichtig, wenn Verzögerungen teuer sind – etwa durch Produktionsstillstand oder entgangene Verkäufe.
3) Preis- und Rohstoffschwankungen
Steigende Rohstoffpreise oder stark schwankende Einkaufskonditionen führen oft dazu, dass Unternehmen günstige Einkaufsmomente nutzen und Bestände bewusst aufbauen. Ein Vorratslager kann so Kosten stabilisieren – muss aber gegen Kapitalbindung gerechnet werden.
4) Lieferkettenrisiken
Störungen in der Supply Chain (Transportengpässe, Ausfälle bei Zulieferern, politische Ereignisse, Streiks) sind ein klassischer Grund, Bestände aufzubauen. Ein Vorratslager erhöht die Resilienz, sollte jedoch mit klaren Bestandszielen (z. B. Sicherheitsbestand/Meldebestand) gesteuert werden.
Vorratslager Vor- und Nachteile
Ein Vorratslager bietet Unternehmen Sicherheit und Stabilität – bringt aber gleichzeitig Kosten und Risiken mit sich. Die folgenden Abschnitte zeigen die wichtigsten Vorteile und Nachteile im direkten Vergleich.
Vorteile eines Vorratslagers
1. Liefersicherheit & hohe Verfügbarkeit
Mit einem Vorratslager können Unternehmen jederzeit liefern – selbst wenn die Nachfrage plötzlich steigt oder Lieferanten verspätet liefern. Das steigert das Servicelevel und reduziert Engpässe.
2. Unabhängigkeit von Lieferstörungen
Globale Lieferketten sind störanfällig. Ein Vorratslager schützt vor:
Transportverzögerungen
Produktionsausfällen bei Lieferanten
politischen Risiken
saisonalen Engpässen
3. Mengenrabatte & bessere Einkaufsposition
Wer größere Mengen einkauft, profitiert häufig von:
günstigeren Stückpreisen
stabileren Einkaufskonditionen
geringeren Transportkosten pro Einheit
Das Vorratslager ermöglicht diese strategischen Vorteile.
4. Produktionsstabilität & weniger Stillstände
In der Industrie ist ein Vorratslager oft entscheidend, um:
Maschinenstillstände zu vermeiden
Produktionslinien konstant zu versorgen
kurzfristige Schwankungen auszugleichen
Nachteile eines Vorratslagers
1. Kapitalbindung & Liquiditätsbelastung
Waren im Lager binden Kapital, das nicht für andere Investitionen zur Verfügung steht. Besonders bei teuren Rohstoffen kann das die Liquidität stark belasten.
2. Lagerkosten (Fläche, Personal, Energie, IT)
Ein Vorratslager verursacht laufende Kosten, z. B.:
Personal für Lagerbetrieb
Energie (Beleuchtung, Heizung, Kühlung)
IT‑Systeme für Bestandsführung
3. Risiko von Verderb, Veralterung oder Schwund
Je länger Ware liegt, desto höher das Risiko:
Verderb (Lebensmittel, Chemie)
Veralterung (Elektronik, Mode)
Schwund (Diebstahl, Beschädigung)
4. Prognosefehler → Überbestand
Falsche Bedarfsprognosen führen schnell zu übervollen Lagern – und damit zu unnötigen Kosten.
Für wen lohnt sich ein Vorratslager?
Ein Vorratslager ist sinnvoll, wenn mindestens einige der folgenden Punkte zutreffen:
Ihre Nachfrage schwankt saisonal oder stark.
Ihre Lieferanten haben lange oder unzuverlässige Lieferzeiten.
Sie profitieren von Mengenrabatten oder günstigen Einkaufspreisen.
Produktionsstillstände wären für Ihr Unternehmen teuer oder kritisch.
Ihre Branche ist von Rohstoff‑ oder Preisschwankungen betroffen.
Kosten & Kennzahlen: Worauf es bei Vorratslagern ankommt
Ein Vorratslager ist nur dann wirtschaftlich, wenn ihr die verschiedenen Kostenblöcke kennt und die wichtigsten KPIs mit Zielwerten steuert. Hier sind konkrete Zahlen, mit denen ihr intern rechnen könnt (als Faustwerte/Benchmarks), sowie einfache Rechenbeispiele.
Typische Kostenblöcke im Vorratslager mit Richtwerten
Kapitalbindung / „Inventory Carrying Cost“ (jährlich)
Als grobe Faustregel liegen die Bestandshaltungskosten (Carrying Costs) häufig bei 20–30% des durchschnittlichen Lagerwerts pro Jahr (je nach Branche/Prozessreife).
Darin stecken typischerweise Opportunitätskosten (gebundenes Kapital), Lagerfläche, Versicherung, Handling, Schwund und Obsoleszenz.
Beispielrechnung (sehr praxisnah):
Durchschnittlicher Lagerwert: 200.000 €
Carrying Cost (angenommen 25%): 50.000 € pro Jahr
Formel: Ø Lagerwert × Carrying-Cost-% = jährliche Bestandshaltungskosten
Quelle: Cleverence
Miete / Fläche & Infrastruktur (monatlich)
Das schwankt extrem nach Region, Ausstattung (Regale, Brandschutz), Höhe/Traglast und ob es ein Multi-Client-Lager ist. Deshalb: statt „€ pro m²“ zu raten, empfehle ich eine Kostenstruktur, die ihr direkt aus Angeboten befüllen könnt:
Fixkosten: Fläche/Regalsystem/Grundbetrieb
Variable Kosten: Handling (Ein-/Auslagerung), Kommissionierung, Zusatzleistungen
Handling & Personal (pro Bewegung / pro Stunde)
Als Steuerungsgröße rechnet man in der Praxis oft pro Palettenbewegung (Einlagerung, Auslagerung, Umlagerung) und pro Pick. Für euren Content reicht:
Anzahl Bewegungen/Monat × Kosten/Bewegung
Anzahl Picks/Monat × Kosten/Pick
So wird euer Vorratslager vergleichbar – egal ob intern oder ausgelagert.
IT / WMS (monatlich)
WMS-Kosten werden meist als Fixkosten + Nutzer/Transaktion kalkuliert. In der KPI-Logik ist entscheidend: bessere IT senkt Bestandsdifferenzen, Fehlpicks und Suchzeiten.Versicherung & Schwund (jährlich)
Das ist produktabhängig – als Management-Zahl setzt man häufig eine Zielgröße für „Schwundquote“ und überwacht sie regelmäßig (siehe KPI unten).
KPIs für Vorratslager – mit Zielwerten, Formeln & Beispiel
KPI 1: Lagerumschlag
Was es zeigt: Wie oft sich euer Bestand in einer Periode „dreht“.
Formel (vereinfacht): Wareneinsatz / Ø Lagerbestand
Interpretation: höherer Umschlag = meistens weniger Kapitalbindung (aber Achtung: zu hoch kann Fehlmengen erhöhen).
Beispiel:
Wareneinsatz Jahr: 1.200.000 €
Ø Lagerbestand: 200.000 €
→ Lagerumschlag = 6,0 (≈ Bestand „dreht“ sich 6×/Jahr)
KPI 2: Reichweite (Tage)
Was es zeigt: Wie viele Tage ihr ohne Nachschub überlebt.
Formel: Ø Bestand / Ø Tagesverbrauch
Beispiel:
Ø Bestand: 10.000 Stück
Tagesverbrauch: 250 Stück
→ Reichweite = 40 Tage
KPI 3: OTIF (On Time In Full)
Was es zeigt: Lieferungen pünktlich und vollständig – also echter Servicelevel.
Benchmark-Zielwerte: In vielen Umfeldern gilt >95% OTIF als sehr stark; kritische Branchen zielen teils 98%+ an.
Beispiel:
1.000 Aufträge im Monat
960 pünktlich & vollständig
→ OTIF = 96%
KPI 4: Bestandsgenauigkeit
Was es zeigt: Wie gut Systembestand vs. physischer Bestand übereinstimmen.
Daumenregel: „Gut“ ist oft >95%, sehr gut bewegt sich Richtung 99% (abhängig von Ware/Prozess).
Beispiel:
10.000 Artikelpositionen gezählt
9.700 stimmen
→ Bestandsgenauigkeit = 97%
FAQ
Wann lohnt sich ein Vorratslager überhaupt
Ein Vorratslager lohnt sich, wenn die Lieferfähigkeit und die Versorgungssicherheit wirtschaftlich wichtiger sind als die zusätzlichen Lagerkosten. Typische Fälle sind saisonale Spitzen, lange oder schwankende Lieferzeiten, kritische Materialien (ein Produktionsstillstand wäre teuer) und volatile Einkaufspreise, bei denen sich der Einkauf größerer Mengen lohnt. Wenn Fehlmengen euch Umsatz, Kunden oder Produktionszeit kosten, ist ein Vorratslager oft die stabilere Lösung – vorausgesetzt, ihr steuert die Bestände aktiv.
Wie viel Bestand sollte ich im Vorratslager halten, ohne zu viel Kapital zu binden?
Als praktikabler Ansatz arbeitet ihr mit drei Bestandsgrenzen:
Sicherheitsbestand: Schutz vor Liefer- oder Nachfrage-Schwankungen
Meldebestand: Punkt, an dem nachbestellt wird
Maximalbestand: Obergrenze, um Kapitalbindung und Überbestand zu begrenzen
Eine einfache Faustformel für die Planung ist die Reichweite in Tagen:
Reichweite = Bestand / Tagesverbrauch
Viele Unternehmen steuern Vorratsbestände grob in Wochen statt in „Bauchgefühl“ (z. B. 14, 30 oder 60 Tage Reichweite – je nach Risiko und Nachschubzeit). Optimal ist der Bestand dann, wenn ihr euer gewünschtes Servicelevel erreicht, aber gleichzeitig die Umschlagshäufigkeit nicht „einbricht“ (d. h. Bestand nicht unnötig lange liegt).
Welche Produkte eignen sich für ein Vorratslager?
Gut geeignet sind Artikel, die planbar, stabil und lagerfähig sind, z. B.:
Produkte mit konstantem Verbrauch (C-Teile, Standardartikel)
Artikel mit langen Beschaffungszeiten oder hoher Lieferunsicherheit
Güter mit geringem Verderb-/Veralterungsrisiko
Verpackungen, Verbrauchsmaterialien, Standardkomponenten
Artikel mit hoher Fehlmengenkostenwirkung (A-Artikel, kritische Teile)
Weniger geeignet sind Waren mit kurzer Haltbarkeit, hoher Mode-/Technik-Dynamik, stark schwankender Nachfrage ohne Datenbasis oder hohem Diebstahl-/Schadensrisiko – hier kann ein Vorratslager schnell teuer werden.
Wie vermeidet man Überbestände im Vorratslager?
Überbestände entstehen meist durch zu optimistische Prognosen, zu große Bestellmengen oder fehlende Bestandsgrenzen. Diese Maßnahmen helfen konkret:
Maximalbestände festlegen (harte Obergrenze pro Artikel)
ABC/XYZ-Logik nutzen:
A-Artikel eng steuern (häufig prüfen),
C-Artikel einfacher, aber mit Limits
Regelmäßige Bestandsreviews (z. B. monatlich) mit Abverkaufs-/Entsorgungsplan
FEFO/FIFO konsequent (je nach Ware), damit alte Bestände nicht „liegen bleiben“
Mindestabnahmemengen sauber einpreisen (Rabatt vs. Kapitalbindung)
Artikel bereinigen: langsamdrehende SKUs erkennen und auslisten/alternativ lagern
Welche Kosten entstehen durch ein Vorratslager?
Ein Vorratslager verursacht sowohl direkte als auch indirekte Kosten:
Direkte Kosten
Lagerfläche / Miete
Personal
Handling (Einlagern, Umlagern, Auslagern)
Energie (Beleuchtung, Heizung, Kühlung)
IT / WMS
Versicherung
Indirekte Kosten
Kapitalbindung
Schwund (Diebstahl, Beschädigung)
Veralterung / Verderb
Zinskosten (bei finanzierten Beständen)
Je länger Ware liegt, desto höher werden die Gesamtkosten pro Einheit.